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Drei Weltmeisterschafts-Titel und Salbi im Gepäck

Artikel aus dem Höchster Kreisblatt vom 1.4.2017:

Bei der Siegerehrung mit dem Maskottchen Salbi.



















Main-Taunus. Kurzfristig hatte sich die vielseitige Leichtathletin zu der Reise nach Daegu zu den Senioren-Weltmeisterschaften der Leichtathleten in der Halle entschlossen. „Ich hatte erst Zweifel wegen meiner beiden kleinen Kinder, aber ich dachte: Wann haben wir einmal die Chance, nach Südkorea zu kommen ?“, setzte sich Anne Reuschenbach über Bedenken hinweg und freute sich gemeinsam mit ihrem Mann über eine Woche Weltmeisterschafts-Feeling und Urlaub. Nach den Europameisterschaften in Ancona im vergangenen Jahr war es ein weiterer internationaler Wettkampf für sie.

Tolle Organisation

In Daegu, mit knapp 2,5 Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt Südkoreas und etwa zweieinhalb Stunden mit der Bahn südlich von Seoul gelegen, fand sie optimale Verhältnisse vor. Die Stadt war 2011 Gastgeber der Weltmeisterschaften der Leichtathleten im Aktivenbereich gewesen. „Es war toll organisiert. Ich mag die Menschen, die super gastfreundlich sind. Wir waren in einem Athleten-Hotel untergebracht und wurden mit Shuttle-Bussen zur Halle gefahren“, erklärte Anne Reuschenbach, „wir konnten dort alle Möglichkeiten auch zu Ausflugsfahrten nutzen“. Gut 1000 Helfer sorgten für einen optimalen Verlauf der Wettkämpfe und dafür, dass es den Athleten an nichts fehlte. „Wir haben uns wohlgefühlt in einem fremden Land, wo man sich auch an der Schrift nicht orientieren kann“, erklärte Reuschenbach.

Gelungener Auftakt

Auch die Wettkämpfe liefen gut. „Die Siegerehrung war zeitnah, so dass wir auch außerhalb des Stadions noch einiges unternehmen konnten“, berichtete Reuschenbach, die mit dem Speerwerfen in die Wettkämpfe der Klasse W 35 startete. „Ich habe in diesem Jahr viel dafür getan“, erklärte sie. Vor zwei Jahren war sie beim Hürdensprint gestürzt und hatte sich an der rechten Schulter eine Schultereckgelenks-Sprengung zugezogen, wobei ihr bei der anschließenden Operation sogar künstliche Bänder eingesetzt werden mussten. Doch ist diese Verletzung komplett ausgeheilt. Das hatte Anne Reuschenbach bereits als Zweite der deutschen Seniorenmeisterschaften unter Beweis gestellt, nun bestätigte sie dies mit 35,55 m als Zweite in Daegu. „Meine Bestleistung im Seniorenbereich liegt bei 37,43 m, daher bin ich ganz zufrieden“, sagte Reuschenbach, „und ich gönne es der Siegerin aus den Niederlanden, die schon bei vielen Wettkämpfen zuvor Zweite geworden war“.

Ihren ersten Titel holte sie im Stabhochsprung – mit einem geliehenen Stab. „Ich habe darauf verzichtet, meinen Stab mitzunehmen, weil das viel zu teuer geworden wäre. Eine Starterin aus Schweden hat es gemacht und 400 Euro dafür bezahlt“, erzählte Reuschenbach. Interessant ist auch die Geschichte, wie sie wieder zum Stabhochsprung geworden ist: „Gemeinsam mit meinem Mann nehmen wir an Jedermanns-Zehnkämpfen teil. In Bad Nauheim gibt es einen, aber wir fahren auch zu dem Größten seiner Art in Wien. So bin ich zum Stabhochsprung gekommen.“ Mit dem geliehenen Stab erreichte sie immerhin 2,50 Meter, ihre Bestleistung steht bei 2,70 m. Eine beachtliche Leistung angesichts der Tatsache, dass sie nur ein halbes Dutzend Trainingssprünge hatte, um sich mit dem Stab vertraut zu machen. Im Gewichtwurf legte sie mit dem zweiten Titel nach. „Ich hatte Glück, dass meine Konkurrenz nicht so gut besetzt war und dass die Australierin im letzten Versuch bei 10,55 m landete“, freute sie sich nach ihren 10,98 m.

Strammes Programm

Gleich danach startete sie über 60 m Hürden, was ihr viele verständnislose Blicke ihrer Mitstreiter bescherte. „Ich bin relativ vorsichtig gelaufen, zumal die beiden besten Athletinnen für mich unerreichbar waren“, erklärte sie. Nach 10,51 Sekunden erreichte sie als Dritte das Ziel.

Nachdem sie mit ihrer Diskuswurfleistung von 33,43 m trotz ihres insgesamt dritten Titelgewinns nicht zufrieden war, gewann sie abschließend noch Silber im Kugelstoßen mit einer soliden Leistung von 10,37 m. Und sie hatte eine Sorge weniger. Sie bekam für jede der drei Gold-, zwei Siebermedaillen und eine Bronze-Medaille auch ein Maskottchen, so dass sie beiden Kindern einen Salbi, einen wuscheligen Hund mit bunten Haaren, mitbringen konnte. „Die Kinder lieben sie“, berichtete Reuschenbach, „meine Tochter nimmt ihn sogar mit ins Bett“.

Nun macht Anne Reuschenbach erst einmal Pause, bevor es im Juli zu den deutschen Meisterschaften und im August zu den Europameisterschaften nach Aarhus geht. „Wir machen dann auch Urlaub an der dänischen Nordsee, bevor meine Tochter dann eingeschult wird“, erklärte Anne Reuschenbach.

Von VOLKER HOFBUR
FM