LG Bad Soden / Sulzbach / Neuenhain

Málaga 2018 - Senioren WM - aus der Sicht von Margret und Werner Göttnauer


Was für ein Höhepunkt der Saison für Margret Göttnauer bei den Senioren-Weltmeisterschaften 2018 (World Master Athletics Championships)
in Málaga (Spanien)!

Mit Ehemann Werner machte sich Margret im September auf den Weg ins südspanische Málaga, wo vom 4. bis 16.9. die Weltmeisterschaften der Senioren stattfanden. Die Titelkämpfe werden im Zweijahresrhythmus ausgetragen

Margret hatte wie bei derartigen Anlässen üblich ein recht umfangreiches Programm auf dem Zettel und dieses dann sehr, sehr erfolgreich durchgezogen. Einiges wurde an dieser Stelle schon berichtet. Da sie ja mit Wettkämpfen und dem ganzen Drum und Dran reichlich zu tun hatte, lassen wir an dieser Stelle einmal Werner zu Wort kommen – er schildert aus seiner und Margrets Sicht recht anschaulich das „Abenteuer Málaga“:

2018 fanden in Málaga, in Andalusien an der Costa del Sol, die 23. Senioren Leichtathletik-Weltmeisterschaften statt. Málaga ist ja eigentlich mehr als Geburtsstadt Pablo Picassos bekannt sowie für seinen historischen und touristischen Hintergrund und ist mit 569 000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Andalusiens.

Über 8200 Teilnehmer aus über 100 Ländern aus allen Erdteilen haben hart trainiert um hier vom 04.09.-16.09.2018 ihre besten Leistungen abzuliefern. Am 2.9. waren wir ja noch zur 10 km Straßen-DM in Bremen um den 8. Deutschen Meistertitel mit zunehmen - dann 6 Stunden Nachhauseweg über die volle Autobahn. Zuhause restliche Sachen für Málaga fertig packen und morgens um 4 Uhr per Taxi zum Flughafen. Entspannen sieht anders aus.

Um 14 Uhr in Málaga Flughafen angekommen, erschlug uns erst mal die etwas größere, aber auch feuchtere Wärme als bei uns zuhause. Erst mal zum Mietwagen-Verleih am Flughafen, VW Polo klarmachen und ab ging es nach Torremolinos 6 km südlich von Málaga. Für mich als Fahrer der Horror. In der Großstadt Málaga überkreuzten und überquerten sich Autobahnen, Landstraßen und Schnellstraßen - überfahren, umfahren und die richtige Ausfahrt auf die Schnelle finden. Über eine
Woche haben wir gebraucht, um unsere Panik in der Stadt zu verlieren. Außerhalb auf den Autobahnen entspanntes Fahren (bis auf diese blöden Kreisel, die sind nicht so gestaltet wie bei uns, sondern groß und unübersichtlich). Man kann nur sagen, die Spanier fahren äußerst rücksichtsvoll und sie erkennen die Touristen Mietwagen.

Unser Hotel Costa Royal mit Halbpension hatten wir gut ausgesucht, am Stadtrand zwischen Málaga und Torremolinos gelegen, 700 m bis zum Strand, das Essen hervorragend, Rotwein und Bier schmeckten jeden Abend. Die Laufmädels wollen ja jetzt die Ernährung umstellen und es wie Margret machen, Rotwein trinken und alles essen was schmeckt.

Der erste Wettkampf begann mit einem Paukenschlag wie inzwischen im LG Land herumgesprochen. Aufgrund der vielen Teilnehmer wurden die Wettkämpfe gleichzeitig in 4 verschiedenen Stadien ausgetragen. 3 in Málaga und eines in Torremolinos, dort fand auch Margrets Crosslauf in einem Pinienwäldchen statt. Eine 2 km lange kurvenreiche, auf und abgehende Strecke mit 7,1 % Steigung, vielen Steinen und Wurzeln. Die immense Wärme von über 30° war dort allerdings einigermaßen zu ertragen. Margret fühlte sich locker und gut gewappnet, wir haben ja zuhause die Taunushügel, da durfte das ja nicht zu schwer sein. Man musste halt achtgeben - einige Läufer/innen stürzten und verletzten sich zum Teil erheblich. Der Kurs musste 4 mal umrundet werden, Margret kam in mit der guten Zeit von36:40 min hinter der Amerikanerin Sabre Harvey als Zweite ins Ziel. Gleichzeitig errang sie auch die Silbermedaille mit der Mannschaft. Zwei auf einen Streich. Das fing ja unglaublich an. Die Tränen konnte sie bei der Siegerehrung kaum zurück halten.

Dann hatten wir ein paar Tage Zeit, die Seele baumeln zu lassen, fuhren 200 km nach Granada,
besuchten die Alhambra, anderntags neue Tour nach Ronda mit Besuch einer riesigen Tropfsteinhöhle, (bis jetzt die größte, die wir je gesehen haben und das waren schon einige) und, wenn Zeit war, immer wieder im Mittelmeer baden in sehr sauberem Wasser!!! So waren wir bis auf einen Tag eigentlich immer auch am Strand und Palmen - im Geäst eine ganze Kolonie grüner Papageien, die nach und nach die unreifen Datteln fraßen. Unsereins bekäme Bauchschmerzen.

Am 9.9. stand der 10 km Straßenlauf an. Nach vorangegangenem Gewitter war es morgens um 9 Uhr mit 93 % Luftfeuchtigkeit extrem schwül. Verträgt auch nicht jeder. Der Lauf um 9 Uhr ging 2 x sehr großzügig um das Hauptstadion in Málaga herum. Margret hatte schon nach 4 km alle 23 Kontrahentinnen hinter sich gelassen und erreichte vor Gudrun Vogl und der Irin Eileen Kenny in 46:27 das Ziel in der W65 Klasse und damit Ihren ersten WM Titel. Bevor nicht die offizielle Bestätigung vorlag, konnte sie daran nicht glauben. Bei der Siegerehrung wurde die Deutschland Hymne inbrünstig mitgesungen.
Das Erlebnis mit 800m Vorläufen mit 3:04,15 sowie Qualifikation zum Finale in 2:59,63 bei den starken Läuferinnen und jeweils erreichtem 6. Platz sowie der guten Zeit machte sie zufrieden und glücklich. Die Qualifikation zum 400 m Lauf im Estadio Universidad musste sie vorzeitig absagen zu Gunsten des 5000 m Laufes. Beide Läufe fanden innerhalb von 90 Minuten in 2 verschiedenen Stadien statt, was zeitlich nicht zu schaffen war.

Also am 12.9 abends um 19 Uhr (es war immer noch schwülwarm) der Start zum 5000m Lauf im Hauptstadion. Wie meistens bei solchen Distanzen suchte Margret ihr Heil in der Flucht, da sie wusste, dass sie gegen die starke Amerikanerin Sabre Harvey (siehe Crosslauf) nicht bis zum Ende mithalten konnte. Schnell bildete sich zusammen mit der deutschen Elisabeth Westphal aus Berlin so eine 3er Spitzengruppe. In kurzer Zeit war der Abstand zum Feld auf über 50m angewachsen. Inzwischen hatte sich Harvey gelöst und war alleine an der Spitze währenddessen sich die beiden Deutschen einen harten Kampf lieferten, den Margret ab der 10. Runde für sich entscheiden konnte und unangefochten in 22:02,79 min mit der für sie sehr guten Zeit ihren 3. Vizeweltmeistertitel erringen konnte. Auch das unglaublich bei dieser starken Konkurrenz.

Auf den 1500m Start verzichtete sie, da sie für die deutsche 4 x 400 m Staffel nominiert wurde. Etwas Schonung war schon vonnöten. Beim Üben mit dem Staffelholz zwecks Übergabe und evtl. Kommandos gab es auch noch eine leichte Muskelzerrung im rechten Oberschenkel. Durch Schwimmen im angenehm kühlen Mittelmeer und Beinmassage haben wir das aber wieder hinbekommen.

Am Sonntag 16.9., dem letzten Wettkampftag standen dann die Staffel-Wettbewerbe an. Da Margret noch nie eine Staffel dieser Art gelaufen war, kam sie als Startläuferin an die 1. Position. Sie legte die schnellste Zeit ihrer Staffel mit guten ca. 79 Sekunden vor, konnte aber der schnellsten Britin Alison Bourgeois nicht folgen, die eine 800m Zeit von 2.44,62 läuft. Chancenlos. Diesen irren Vorsprung konnte man niemals einholen, zumal auch noch die starken Australier vorbeizogen. Die Britinnen in der Zeit von 5:05,83, die Australierinnen mit 5:39,04, aber 3. Platz und Bronzemedaille für Margret Göttnauer, Ingeborg Thoma, Hannelore Venn und Marion Ertl in 5:59,68. Das sind halt schon Unterschiede. Aber auch über Bronze kann man sich wahnsinnig freuen, es war im Sinne der Mannschaft, alle für Eine, Eine für Alle.

Eine Ausbeute von 5 WM Medaillen konnten nicht viele Athleten vorweisen und schon gar nicht solche, mit denen man nicht gerechnet hatte. Zur Abschlussfeier sind wir dann nicht mehr hin, da sich die Medaillen-Verleihung bis nach 20.30 Uhr hingezogen hatte und die Feier bereits um 19 Uhr begann. Wir hatten da schon bereits 3 Stunden gewartet.
Am Montag, gegen 16 Uhr, sind wir matt aber glücklich wieder zuhause eingetroffen, in der Hoffnung, dass die Erholung noch eintrifft.





FM