LG Bad Soden / Sulzbach / Neuenhain

Je oller, umso doller

Porträt Margret Göttnauer - von Uli Hörnemann für das Laufmagazin "Spiridon"

Wenn das bloß keinen Ärger gibt! Margret Göttnauer hatte sich einfach aus dem Staub gemacht und war vom Taunus in den Norden gedüst. „Heute sind bei uns daheim die Kreis-Crossmeisterschaften“, erzählte die flotte Langstrecklerin, die am 24. Juni ihren 65. Geburtstag feiert, „und ich hätte eigentlich helfen sollen.“ Sie „schwänzte“ und fuhr nach Löningen, Schauplatz der nationalen Titelkämpfe im Gelände. Viereinhalb Stunden dauerte der Trip, der in Schwalbach begann, einem urigen Städtchen, wo sie mit Ehemann Werner (70) beheimatet ist. „Wenigstens hat sich der ganze Aufwand gelohnt“, meinte die Erste der Altersklasse W65, die reich beschenkt wurde, „zu Hause werden sie staunen, was ich alles bekommen habe.“ Dann hielt sie stolz die Rose, ihre Urkunde und das Geschenkpaket, das den Besten der Besten bei der Siegerehrung in der Sporthalle als Belohnung überreicht wurde, während die Goldmedaille an ihrem Hals baumelte.
Die drei Mitläuferinnen vom TuS Griesheim, die Margret Göttnauer zur Teilnahme überredet hatten, waren auch zufrieden. Im Vorfeld hatten sie so lange gequengelt, bis ihre Mitreisende endlich einverstanden war. „Vierzehn Tage zuvor bin ich in Trebur schon Hessen-Meisterin geworden“, berichtete Margret Göttnauer, die für die LG Bad Soden/Sulzbach/Neuenhain startet, „da hab‘ ich mir gedacht: Na schön, dann kannst du auch in Löningen mitmachen.“ Ein weiser Entschluss, denn die flotte Dame beherrschte das 5840 m lange Rennen mit über 1 min Vorsprung auf ihre Dauerrivalin Marianne Spronk (TuS Weeze) und Ulla Paga (LG Wilhelmshaven). Gold bekam sie, Mannschafts-Silber erhielten die Griesheimerinnen Marion Peters Karbstein, Regina Blatz und Vera Schoormann. Heiter gestimmt begab sich das ausdauernde Frauen-Quartett aus dem Hessenland, das sich in Löningen für eine Nacht in einer Ferienwohnung einquartiert hatte, auf den Heimweg.
Erst mit 54 Jahren hat ihre Karriere angefangen. Spät, aber nicht zu spät! „Damals lief ich 54:30 über 10 km“, erinnerte sich Margret Göttnauer, „jetzt hab‘ ich eine Bestzeit von 45:25.“ Aufgestellt hat sie diese Marke vor zwölf Monaten, genau genommen am 23. April 2016, in Erbach im Odenwald, dem Heimatort von Katrin Dörre-Heinig, Deutschlands erfolgreichster Marathonläuferin. „Am liebsten renn‘ ich auf der Bahn und auf der Straße“, erklärte die Meisterläuferin, die bereits mehrere Medaillen errungen hat, „die Halle find‘ ich auch ganz gut.“ In Erfurt, wo eine Woche vorher die Senioren-Titelkämpfe ausgetragen wurden, hatte sie Gold über 3000 m (13:16,31 min) und Silber über 800 m (3:01,93 min) gewonnen.
Die gelernte Arzthelferin sammelt ehrgeizig ihre Kilometer. „Trainiert wird vier- oder fünfmal die Woche.“ Wertvolle Tipps bekommt sie von Peter Eckes, selber ein eifriger Läufer der M 60. „Ja, bei uns im Verein haben wir starke Männer“, bemerkte die zweifache Mutter, deren Kinder Dierk (44) und Alice (41) die Sportarten Fußball und Judo favorisieren, „so hab‘ ich immer gute Laufpartner.“ Klaus Wagner, Baujahr 1942, zählt auch dazu. Sie nennen ihn den „Kenianer von Flörsheim“. Mit einem Hausrekord von blanken 2:53 h, aufgestellt in Frankfurt, ist er ein verdammt schneller Marathoni. Gold, Silber und Bronze hat er gleich mehrmals gewonnen, international wie national. Peter Oberließen, 1960 geboren, ist genauso erfolgreich. Im eigenen Stadion in Bad Soden lief er 2015 mit 2:02,43 min Weltrekord in der Masters-Klasse M55. „Ja, da bin ich doch in guter Gesellschaft“, sagte Margret Göttnauer und lachte, „von den beiden kann ich noch sehr viel lernen.“ Recht hat sie.

Margret Göttnauer
Geboren: 24. Juni 1952
Verein: LG Soden/Sulzbach/Neuenhain
Bestzeiten:
800 m 2:57,11 min Erfurt 2016
1500 m 5:57,70 min Friedberg 2016
5000 m 21:31,94 min Zittau 2015
10000 m 45:25,98 min Erbach 2015



FM